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Kennen Sie das wunderschöne Märchen “Ophelias Schattentheater” von Michael Ende, zu dem Friedrich Hechelmann so zauberhafte Bilder gemalt hat?
Das Stück beruht auf dem poetischen Märchen “Ophelias Schattentheater” von Michael Ende mit Bildern von Friedrich Hechelmann (Thienemanns Verlag, Stuttgart-Wien 1988). Richtig nachvollziehen können Sie
die folgenden Beschreibungen wahrscheinlich nur, wenn Sie auch das Buch kennen, aber eine Anschaffung lohnt sich vielleicht allein schon wegen der tollen stimmungsvollen Bilder:
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Das Buch (dessen Titelbild Sie oben sehen)
Die CD
Das Stück wurde mit einer 6. Klasse erarbeitet. Zunächst haben wir das Stück in 8 Szenen aufgeteilt:
1. Szene: Vorspiel
Als Musik zu diesem Menschenschattenspiel haben wir den Canon von Pachelbel gewählt, der von der Klasse live gespielt wurde, in einer schülergerecht arrangierten, 12-stimmigen Fassung für Keyboards,
Cello, Xylophon und Flöten, halt den Instrumenten, die mit der Klasse zu realisieren waren. Auch wenn unser Arrangement ein wenig anders ist, orientieren kann man sich durchaus an der hier abgedruckten Fassung.
Zu Beginn der 1. Szene bleibt die Leinwand, die auf einer Bühne aufgebaut ist, dunkel. (Rechts und links der Leinwand befinden sich “spanische Wände” bzw. der Bühnenvorhang, damit die Umbauten usw. für
die Zuschauer verborgen bleiben. Man kann dafür z.B. auch umgedrehte Wandkarten nehmen.) Zunächst sind also nur das Klassenorchester (integriert in den Zuschauerraum unterhalb der Bühne) sowie eine
Vorleserin (mit Pult und kleiner Leselampe links von der spanischen Wand) sichtbar.
Da den meisten unserer Zuschauer zwar die Bücher von Michael Ende bekannt sind, die wenigsten wahrscheinlich aber bisher seine Stimme gehört haben, werden die ersten Abschnitte des Textes
(gelesen von Michael Ende) per CD eingespielt.
Die Stelle, als der alten Souffleuse, Fräulein Ophelia, gekündigt und das Theater geschlossen wird, eignet sich hervorragend, um zusätzliche Programmpunkte in das Stück zu integrieren. Bei uns kommt
ein Opernsänger aus den Kulissen, schmettert eine kurze Arie, und erinnert an die vielen Auftritte, die das Theater im Laufe der Jahre erlebt hat, z.B. ...: So hat nun eine Schülerin als Gesangssolistin,
begleitet von einem Schüler am Piano, Gelegenheit zur Darbietung von “Caro mio ben.
Jetzt beginnt der Canon-Bass, und dann setzt unsere Vorleserin ein: Ophelia denkt an ihr Leben zurück.
2. Szene: Im Theater
Hier entsteht das Problem, dass Fräulein Ophelia auftritt, einen eigenen Schatten hat, gleichzeitig aber mit einem anderen herrenlosen Schatten spricht. Es kommen dann immer noch mehr hinzu, die alle bei
ihr aufgenommen werden wollen. Wir haben dafür folgende spiel- und bühnentechnische Lösung gefunden:
Fräulein Ophelia tritt vor der Leinwand auf und wird von der Zuschauerseite her mit einem Overheadprojektor (OHP), der dann gleichzeitig als “Verfolgerscheinwerfer” dienen kann, angestrahlt:
Dadurch ist ihr Schatten sichtbar. Von der anderen Seite her, also der Bühnenseite, strahlt ein zweiter OHP auf die Leinwand, und zwar beleuchtet er einen nach rechts und links hin größeren
Leinwandabschnitt als der Zuschauer-OHP. Der Überschneidungsbereich beider OHP ist der Spielbereich von Fräulein Ophelia, die von hinten angeleuchteten Bereiche rechts und links davon sind für
die vier “herrenlosen” Schatten, die nach und nach auftreten. Deren Spieler können durch diese Scheinwerferanordnung den Schatten von Ophelia sehen. So entsteht ein Bild, bei dem Ophelia fünf
Schatten hat, die alle ihre Bewegungen nachahmen können. Wenn nun immer mehr Schatten kommen, dann wird einfach von der Bühnenseite her ein dritter OHP zugeschaltet, und die Schatten vermehren
sich. Wichtig bei all dem ist, dass sich die “Bühnenschatten” optisch voneinander unterscheiden, mit Hüten, Gesten, unterschiedlicher Größe usw. Unser erster Schatten bewegt sich z.B. sehr wibbelig,
etwa wie der Pumuckl aus der gleichnamigen TV-Serie. Der zweite Schatten “Dunkelangst” schreitet langsam vom OHP nach vorne und verwandelt sich so von einem bedrohlichen Schatten in ein kleines
Mädchen mit Pferdeschwanz usw.
Musikalisch wird dieser Auftritt live mit dem Canon begleitet. Zu jedem Neuauftritt eines Schattens erklingt eine weitere Canon-Stimme. Das musikalische Prinzip dieser Szene erinnert also ein bißchen an
“Peter und der Wolf”: jeder Rolle wird eine eigene Melodie zugeordnet.
3. Szene: Die Schatten spielen
Besonders wichtig war es uns zu zeigen, wie schön die Schattenspiele sein können, die die Schatten dem alten Fräulein Ophelia in langen Nächten vorspielen. Hier kann man eine Tanzchoreographie
einfügen. Natürlich gehörten auch mehrfarbige Tänzerinnen dazu!
4. Szene: Vor dem Haus von Ophelia / Der Plan der Schatten
Mittlerweile finden die Leute die vielen Schatten von Ophelia bedrohlich, was wir dadurch untermalten, dass riesige trommelnde Finger (direkt hinten auf dem OHP) Ophelia bedrängten. Als Ophelia nun auch
noch von ihrem Vermieter gekündigt wird, packt sie ihre Schatten in ihren Koffer. Unser Schattentrick dabei:Der aus Pappe ausgeschnittene Koffer liegt auf dem OHP. Ophelia holt nun ihre Schatten
abwechselnd vom linken und rechten Bühnenrand, und diese steigen, unmittelbar an der Leinwand, “in” den Koffer und robben - unsichtbar für die Zuschauer, auf dem Bauch nach hinten weg aus der Szene
heraus. So passen viele Schatten in den Koffer.
Als nächstes sieht man von links einen Zug, der aus Pappe aufgeschnitten über den OHP gezogen wird. Ophelia und ihre Schatten bewegen sich in gleichem Tempo mit, allerdings unmittelbar an der Leinwand -
eine Koordinationsaufgabe, die uns sehr viel Probezeit gekostet hat. Das Geräusch des fahrenden Zuges wird von einem Synthesizer eingespielt.
5. Szene: Im Dorf
Die Schatten wollen Ophelia helfen und gründen ein Schattentheater, mit dem sie erfolgreich durch die Welt ziehen. Hier war für die Schüler/innen Gelegenheit, eigene kleine Ideen zu integrieren: die
vielarmige Hydra (bei der mehrere Personen hintereinander stehen) sowie Szenen von Kampf, Liebe und Abschied. Später fand hier auch die Zirkusakrobatik ihren Platz.
6. Szene: Im Schneesturm
In dieser Szene bewegt sich der Tod, zunächst die ganze Leinwand schwarz ausfüllend, langsam vom hinteren OHP auf die Leinwand zu. Er durchbricht die Grenze zum Totenreich, indem er seitlich an der
Leinwand vorbei nach vorne tritt und Ophelia mitnimmt. Zu dieser Szene spielten wir die Geräusche “Wind und Regen” von der Schatten-CD ein.
7. Szene: Im Himmel
Nach der düsteren Todesszene bietet das Buch von Michael Ende in den beiden letzten Szenen eine freud- und hoffnungsvolle Deutung des Weiterlebens im Jenseits an, die wir mit bunten Folien, Tänzen
mit wehenden Tüchern sowie dem zweiten Teil vom live musizierten Canon unterstützten.
8. Ophelias Lichtbühne
Ich hoffe, ich konnte einigen unserer mittlerweile mehr als 1000 Zuschauern ein paar technische Fragen beantworten sowie die Leser/innen dieser Seite dazu ermuntern, das Schattentheater selber einmal zum
Treffpunkt der musischen Künste zu machen: vielleicht ganz im Sinne von Michael Ende, als Abschied von den düsteren Schattenvorstellungen der griechischen Antike, die uns bis heute prägen, hin zu einem
neuen Verständnis in dem Sinne, dass die Welt der Schatten voller Licht und Farbe ist. (Zur Weiterführung und Fundierung dieser Gedanken vergl. die Ausführungen von Jorgos Canacakis auf dieser Seite.)
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