Mitspiel-Theater

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Seit längerer Zeit wird auf vielen Treffen der FreinetlehrerInnen (weitere Informationen zur Freinet-Pädagogik auf meiner Seite zum Musikunterricht) das Mitspieltheater angeboten. (Vergl. auch Kasper, Josef: Jede(r) kann spielen. Mitspieltheater als Möglichkeit, kreatives Selbstbewußtsein zu entwickeln. In: Fragen und Versuche. Zeitung der Pädagogik-Kooperativen. Heft 38/1987a, S. 5/6)

Ich selber habe es auch in der Schule erfolgreich eingesetzt, allerdings unter besonderen organisatorischen Bedingungen, z.B. bei einer Klassenfahrt oder im Leistungskurs Pädagogik der Oberstufe. Was mir als - bisher nicht verwirklichte Idee - immer noch einmal vorschwebt: ein Mitspiel-Schattentheater.

Der folgende Text stammt aus:

Gerd Haehnel: Möglichkeiten offenen Unterrichts an der Gesamtschule. Unveröffentlichte Diplomarbeit Essen 1990, S. 145f.

Das Mitspieltheater

Vielen, die sich sonst nicht trauen, wird mit dieser Theaterform das Spielen erleichtert. Kleinere oder auch größere Pannen werden von den Zuschauern meistens sehr verständnisvoll aufgenommen, denn jeder ist ja selber auch "Mitspieler" und kann sich somit leicht vorstellen, dass ihm selber vielleicht etwas misslingt. Oft passiert es deshalb, dass eine "Panne" mit einem Sonderapplaus belohnt wird. Beim Mitspieltheater handelt es sich also um eine Form, die auch erwachsenen Anfängern das Theaterspielen relativ leicht macht.

Einige Grundregeln:

1. Möglichst alle Mitglieder einer Gruppe oder Klasse machen mit. Falls jemand absolut nicht möchte, sollte er natürlich nicht gedrängt werden. Aber dadurch, dass jeder Zuschauer und Schauspieler gleichzeitig ist, entsteht oft eine sehr entspannte, offene, lustige Atmosphäre, in der es nicht so schwer ist, Theater zu spielen.

2. Eine Vorbereitungsgruppe sucht sich ein Rahmenthema aus. Beispiele:
Weihnachten, Jahreszeiten, Eine Reise durch die Geschichte, Groschenromane, Schlager, Popgruppen; es kann natürlich auch ein Thema sein, dass man im Unterricht durchgenommen hat oder noch durchnehmen möchte.
Zu diesem Rahmenthema wählt man nun Unterthemen aus und schreibt diese auf kleine Zettel. Beispiele zum Thema Weihnachten:
Weihnachten im Bundestag, im Lehrerzimmer, auf dem Mars, am Nordpol; oder zum Thema Groschenromane: Raumschiff Terra X antwortet nicht mehr, Das Drama im Forsthaus, Der Chefarzt und die große Versuchung usw. Wichtig ist, dass diese Themen möglichst offen formuliert werden und zum Spielen anregen. Pro Gruppe (mit jeweils 4 bis 6 Teilnehmern) benötigt man ein Thema.

3. Nun wird das Mitspieltheater von der Vorbereitungsgruppe vorgestellt. Das kann in Form eines kleinen einführenden Sketches geschehen. Danach werden mit Hilfe eines Losverfahrens Zufallsgruppen gebildet. Beispielsweise kann jeder Teilnehmer einen Zettel ziehen, auf dem ein Tier steht. Er muss nun die Geräusche dieses Tieres nachmachen. So finden sich alle "Katzen, Hunde, Vögel, Esel usw." zusammen. Oder man verteilt verschiedenfarbige Bonbons. Alle roten, blauen, grünen usw. Bonbons bilden eine Gruppe. Jede Gruppe erhält einen Zettel mit dem Unterthema.

4. Die Gruppen ziehen sich nun 30 bis 40 Minuten zurück und denken sich zu ihrem jeweiligen Thema ein kleines Theaterstück aus. Wer sich noch nicht so richtig zu spielen traut, übernimmt vielleicht erst einmal eine kleinere Rolle, etwa einen "Baum", oder er spielt mit anderen gemeinsam eine "Schlange". Natürlich sollte man sich noch entsprechend verkleiden und nach Möglichkeit das Stück auch einmal durchgeprobt haben. Es ist aber wichtig, dass der Zeitrahmen nicht überschritten wird, damit das Spiel nicht zu perfekt wird und auch noch Raum für Improvisationen bleibt.

5. Wenn alle Gruppen fertig sind, treffen sie sich wieder, und die Vorbereitungsgruppe führt durch das Programm. Das kann geschehen, indem die einzelnen Themen nacheinander aufgerufen werden. Das kann aber auch in Form kleiner Sketche geschehen, beispielsweise indem eine Reisegruppe von Schauplatz zu Schauplatz eilt.