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In der Evangelischen Kirche Essen Werden finden drei Mal im Jahr “Anders Werden Gottesdienste” statt.
Zu “Gott warum” wurden die kleinen und großen Gottesdienstbesucher zunächst mit einem Pflaster, gemeint als Trostpflaster, begrüßt, und erlebten dann vor dem Gottesdienst auf der
Leinwand Bilder zum Thema “Leid”.
Eine Projektionsleinwand gehört mittlerweile zur festen Ausstattung der “Anders Werden Gottesdienste”, nicht zuletzt auch, weil sie die Möglichkeit
bietet, wichtige Passagen aus der Predigt oder auch Liedtexte/Noten zu projizieren - eine Verständnishilfe, die
von vielen Gottesdienstbesuchern begrüßt wird.

Ein fantastischer musikalischer Höhepunkt des Gottesdienstes war der Auftritt von Carola Laux (Gesang und Piano; auf ihrer Homepage finden Sie
auch Hörproben) und Andreas Laux (Saxophone), die Sie beide links auf der Leinwand sehen, ein Bild, das während des Interviews mit Frau Laux eingeblendet wurde. (Herzlichen Dank für die Fotos an
Bernhard Gisewski aus Essen Werden!)
Ein kurzes Theaterstück führte dann inhaltlich in die Thematik ein und war gleichzeitig Vorbereitung für
die Predigt. Dabei spielte ein besonderer Schattenspieleffekt eine Rolle, aber lesen Sie doch selbst:
Vor Beginn: Schlagzeilen/Bilder auf der Leinwand Dazu: Kerzenlicht; keine Musik
(Strahler von der Empore; sonst keine Beleuchtung)
Szene: im Gerichtssaal (A = Ankläger; Z = Zeuge; St = Stimme aus der Kirche)
A: Wir Menschen klagen heute Gott an! Die Anklagepunkte lauten: Warum tut Gott nichts gegen das Leid in der Welt? Wie kann er all das Schlimme zulassen, das geschieht?
Hätte er nicht eine bessere Welt schaffen können, eine Welt ohne Leid? Ich rufe die erste Zeugin auf!
Wann und wo wurden Sie geboren? Z1: 1917 in Berlin. A: Welcher Religion gehören Sie an? Z1: Ich bin Jüdin. A: Wann gestorben? Z1:
1944 wurde ich von den Nazis ermordet.
A: Wann und wo wurden Sie geboren? Z2: 1834 in Afrika A: Was war Ihr Schicksal? Z2:
Gelyncht haben sie mich, nur weil ich schwarz bin und nicht weiß. Ich wurde mit einem Sklavenschiff in die reiche Welt gebracht und von meiner Familie getrennt. Wir mussten wie Tiere
arbeiten, bis der Tod uns die Freiheit geschenkt hat
A: Wann und wo wurden Sie geboren? Z3: 1912 in einem kleinen Eifeldorf. A: Welche Anklage haben Sie vorzubringen? Z3:
Ich wurde unehelich geboren. Ich habe ein Leben lang darunter wie unter einem Makel gelitten. In meinem Dorf wurde behandelt, als ob ich aussätzig wäre.
A: Wann und wo wurden Sie geboren? Z4: 1962 in Essen. A: Was haben Sie vorzubringen? Z4:
Mein Leben wurde zerstört, weil ich keinen fairen Prozess bekommen habe. Ich bin unschuldig verurteilt worden.
A: (in die Kirche hinein:) Hat sonst noch jemand etwas vorzubringen?
(Stimmen aus der Kirche) St1: Was ist mit den ganzen Kriegen in der Welt? St2: Und was ist mit den Naturkatastrophen? St3:
Warum ist mein Sohn an Krebs gestorben? St4: Warum hat mein Mann/meine Frau kein Interesse mehr an mir? St5: Warum habe ich meinen Arbeitsplatz verloren?
A: Der Fall ist klar! Ich beantrage die Verurteilung Gottes. Wir werden jetzt über das Strafmaß beraten. Z1: Sie brauchen sich nicht zu beraten! Z2:
Wir machen Gott selbst den Prozess! Z3: Wir werden ihn verurteilen. Z4: Er soll all das erleiden, was wir erlitten haben. Und zwar in geballter Form!
(ab hier: das Kreuz wird mit jedem Votum der Zeugen -
siehe unten - deutlicher auf die Leinwand projiziert, indem die Optik beim Tageslichtprojektor von klein und unscharf langsam immer schärfer gestellt wird; im Leinwandaus-
schnitt auf der rechten Seite des Szenenbildes sehen Sie, wie sich das Kreuz gerade aufbaut; dieser Schattenspieleffekt musste sehr sorgfältig ausgeführt werden, da alleine hiervon
die Verständlichkeit und Auflösung des ganzen Theaterstückes abhing.)
Z1: Was versteht er denn schon vom Leiden? Er soll als Jude geboren werden. Dann soll er merken, wie es ist, als Jude in dieser Welt leben zu müssen. Z3:
Er soll den Makel der unehelichen Geburt tragen. Er soll nicht wirklich wissen, wer sein Vater ist. Z4:
Er soll zu Unrecht verklagt werden. Sein Prozess soll mit falschen Anschuldigungen geführt werden. Von einem voreingenommenen Gericht soll er verhört werden. Von einem bestochenen Richter soll er
verurteilt werden. Z2: Er soll erfahren, was es heißt, von allen Menschen verlassen zu werden und total einsam und
hilflos zu sein. Er soll brutal gequält werden und grausam sterben. Und das soll in aller Öffentlichkeit geschehen. Eine Menge Zeugen soll dabei sein - lachend - spottend - höhnend.
(Alles Licht aus; man sieht nur das Kreuz auf der Leinwand in scharfer Kontur)
- Eine Minute Stille
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