Auge um Auge, Zahn um Zahn

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Inhalte dieser Seite: Bericht über den Anders Werden Gottesdienst zum Thema “Auge um Auge, Zahn um Zahn”; ein ausführliches Schattenspiel zum Thema “Auge um Auge, Zahn um Zahn”; mit Videoclip

Als wir im Grundkurs Deutsch, Jg. 11, im Rahmen des Themas motivverwandte Parabeln “Das Gleichnis vom Sämann” aus dem Lukas-Evangelium besprachen, kam es zu einer lebhaften und kritischen Diskussion über Kirche und Religion in der heutigen Zeit, in deren Verlauf vor allem das Bibel-Zitat “Auge um Auge, Zahn um Zahn” als sehr negativ, weil kriegerisch empfunden wurde.

Dass dieses Zitat in der Öffentlichkeit allerdings häufig missverstanden wird, erläuterten die Pfarrer Maret und Martin Schmerkotte dem Vorbereitungsteam des Anders Werden Gottesdienstes der Evangelischen Kirche Essen Werden.

Wenn Sie, ebenso wie die Schüler/innen aus dem oben erwähnten Kurs, daran interessiert sind, wieso dieses “Motto” aus dem Alten Testament eigentlich im Sinne der Schadensbegrenzung gemeint ist und wie es vom Neuen Testament verstanden wird, dann nehmen Sie sich doch einen Augenblick Zeit und Muße und lesen in der Predigt von Martin Schmerkotte.

Zum Anders Werden Gottesdienst “Auge um Auge, Zahn um Zahn” wurden die kleinen und großen Gottesdienstbesucher zunächst mit Zähnen und Augen aus Weingummi - so etwas gibt es wirklich - begrüßt, erlebten dann vor dem Gottesdienst Ausschnitte aus einem “Dick und Doof”-Film voller Hauen und Stechen, konnten in einem Interview mit einer Gefängnisseelsorgerin Realitäten erleben, die sonst so kaum wahr genommen werden, und hatten die Möglichkeit die schwungvollen musikalischen Darbietungen des Gospelchores zu erleben.

Lesen Sie zunächst, wie die Redakteurin der Werdener Nachrichten, Odile Baumann (vielen Dank für die Abdruckerlaubnis), die Proben zum Schattenspiel miterlebt hat:

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus. Nur selten sind dabei farbige Schemen zu sehen. Um Neue anzulocken und alten Besuchern etwas durchgängig anderes zu bieten, entwickelte das „Anders Werden“-Team ein Schatten-Schauspiel seltener Art.
Gewinnen konnte das Team dafür einen Werdener, der die Kunst dieses Theaters als „Menschenschattenspiel“ vervollkommnet hat und sich der Laientruppe mitsamt professionellem Equipment zur Verfügung stellte.
Am kommenden Sonntagabend, dem 23. Januar, werden kurze Schauspielszenen das Thema „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ illustrieren witzig, griffig und mit Tiefgang. Die Laienspieler gabeln Begebenheiten mit den kleinen Aggressionen im Alltag auf: Unliebsame Nachbarn verhindern geräuschvoll das Miteinander, Dampf lassen Gehsteigbeleidigte ab und in irgendwas ist der liebe Nächste eben unerträglich besser.
Unter ihrem Regisseur bleiben die Akteure allerdings nicht am Leintuch kleben. Sie bewegen sich sowohl vor der Scherenschnittfläche, so dass Augen und Zähne zu sehen sind, als auch durch den Zuschauerraum. Klanglich wird das Spiel von einer professionellen Musik- und Geräuschkulisse umrahmt.
Was es mit dem oft als grimmig und kriegerisch empfundenen Satz der Bibel auf sich hat, steht im Mittelpunkt der Vertiefung, deren Breite die Kurzszenen anreißen. Das allerdings soll nur der Beginn einer durchaus gewünschten Diskussion sein.
Zum Abbau von Angriffsgelüsten soll das Singen sehr geeignet sein. Die Besucher werden darin an diesem Abend von Yoko Hayashi und dem Gospelchor unterstützt.
Für junge Besucher hat das Team eine kindgerechte Betreuung vorgesehen, auch hat es sich mit Wein und Brot gewappnet für gern gesehene Gespräche nach dem Ende des mit viel Engagement gestalteten „Anders Werden“-Gottesdienstes. Beginn ist 18 Uhr. (Werdener Nachrichten v. 21.1.2005, S. 7)

Und das schrieb uns ein Besucher des Gottesdienstes:

Der Anders Werden-Gottesdienst gestern abend war beeindruckend - in vielerlei Hinsicht. Zum einen hat mir natürlich (auch) die Technik und die Darstellungs- und Darbietungsweise gefallen und imponiert. Aber auch die Kombination, die Inhalte und Verknüpfungen der Themen, der weite Bogen "Zahn um Zahn" vom Alten Testament über heutigen  Parkplatzärger bis hin zur eindrucksvollen Schilderung der Gefängnisseelsorge - das war schon beeindruckend und gab und gibt noch viel Gesprächsstoff.

Im Folgenden sehen Sie eine ausführliche Dokumentation des Schattentheater-Stückes. Schauen Sie demnächst doch noch einmal auf diese Seite, vielleicht ist es mir bis dahin gelungen, hier auch die Videoaufnahme zu veröffentlichen.

Das Stück wurde zunächst vom Vorbereitungsteam, das derzeit aus etwa 25 Menschen besteht, inhaltlich konzipiert. Daraus bildete sich dann eine Schattenspielgruppe, die die gemeinsamen Ideen in Licht und Farbe umsetzte.

Zu den Grundlagen zur Aufführung: Die Grundstruktur des Stückes besteht aus einem ständigen Wechsel zwischen Schattenspielszenen mit der Lichtprojektion von hinten und von vorne auf die Leinwand projizierten Zeitungsartikeln, die für das Publikum nicht sichtbare Umbauten ermöglichen. Außerdem werden verschiedene Spielebenen miteinander verknüpft: hinter und vor der Leinwand, Einbeziehung des Kirchenraumes. 

Im hinteren Bühnenbereich befindet sich die Tür zum Kirchenzimmer, in dem das Licht während der Aufführung anbleibt. Bei geöffneter Tür wird von dort die Bühne erhellt, so dass genug Licht für die Umbaupausen vorhanden ist, während des Spiels wird die Tür einfach geschlossen. Hinter der Leinwand finden sich Spielpodeste auf einer rutschfesten Unterlage, die einerseits für die Zuschauer eine bessere Sicht ermöglichen, andererseits aber auch dadurch, dass sie hohl sind, laute Fußgeräusche usw. Die Verstärkung einiger Geräusche erfolgt über ein Funkmikrophon, die Musik wird von einer Musikanlage mit CD-Player eingespielt. Die Bereiche neben der Leinwand werden zum Publikum mit Stellwänden bzw. der weißen Rückseite einer Schullandkarte abgedeckt.


Als Leinwand steht eine professionelle Opera® Folie der Firma Gerriets (D 79224 Umkirch) in der Größe 2,80 mal 5 Meter zur Verfügung, die sehr klare Schattenabbildungen ermöglicht, aber nicht so durchscheinend ist, dass von der Zuschauerseite die Lichtquellen erkannt werden können. (Dabei ist es wichtig, auf eine gute Standfestigkeit des Gestells zu achten!) Da die Kirchenfenster natürlich nicht verdunkelt werden können, findet das Schattenspiel in der dunkleren Jahreszeit (23.1.2005) abends statt.

Musik, Geräusche

Spielaktionen / Wer spielt?

Requisiten

Licht, Farbe, Effekte

 

1a. Krach im Mietshaus (Zeit: 1:30)
Vorbemerkung: In dieser Szene sind kräftige Schattengesten wichtig, die verdeutlichen, wie feindlich sich die beiden Parteien gegenüber stehen.

 

 

anfänglich: Spieluhr - Melodie per Mikrofon, die schon etwa 5 Sekunden läuft, bevor OHP 1 angeht

Mieter 1 trinkt ein Bier und legt sich zur Ruhe.

Stab auf OHP 1 als Grenze zwischen linker und rechter Wohnung; Liegestuhl; Bierflasche mit Schnappverschluss

OHP 1: blaue Folie mit ausgeschnit-
tenen Sternen und Mond; im Bereich von Mieterin 2 ist eine gelbe Folie hinterlegt

 

Mieterin 2 kommt nach Hause und saugt Staub. Mieter 1 fängt schreiend an zu schimpfen. Mieterin 1 ruht sich auf einem Stuhl aus.

Staubsauger, Stuhl

 

 

Mieter 1 holt seinen Bruder, Mieter 3, der 1. Elektrowerkzeug holt.

1. Elektrowerkzeug

 

 

Mieterin 2 reagiert darauf, indem sie wütend mit einem Hammer einen Nagel in die Wand schlägt.

Hammer

 

 

Mieter 3 benutzt 2. noch lauteres Elektrowerkzeug.

2. Elektrowerkzeug

 

 

Während das Werkzeug noch läuft, reagiert Mieterin 2 darauf, indem sie mit einem großen Hammer gegen die Wand schlägt und dazu laut mit den Füßen stapft. Alle schreien sich durch die Wand an.

großer Hammer aus Pappe





OHP 1 aus.

J. Pachelbel: Canon und Gigue in D-Dur

1b. Zeitungsartikel (Zeit: 1 Minute)
Auszug aus: Selbstschussanlagen im Nachbarschaftsstreit (MDR Online, 8.2.02 http://www.nachbarschaftsstreit.de/nachbar01/pdf/inhalt_boulevard_73619-mdr%20200-2.PDF

 

OHP 2 (von der Zuschauerseite) mit Zeitungsartikel an

 

2a. Marschierende Soldaten (Zeit: 2:00)

 

OHP 2 aus

Marsch: Freiweg

Jeweils 2 Spieler treten von rechts und links auf und begegnen einander. Insgesamt gibt es 3 solcher Pärchen, die viermal, im Takt der Musik, aneinander vorbei marschieren. Bei ihren Begegnungen steigert sich ihre Aggressivität:
- Sie marschieren ruhig aneinander vorbei.
- Sie werden stutzig und stocken.
- Sie stoßen sich an und drehen sich böse um.
- Das erste Pärchen versucht sich gegenseitig um zuschmeißen, die anderen stürzen hinzu, die Szene endet in einem wilden Kampfgetümmel.

Die Spieler haben verschiedene Hüte und Waffen, damit man sie voneinander unterscheiden kann.
 

OHP 1: Folie mit Panzer im Geländeeinsatz







 

OHP 1 aus

J. Pachelbel (wie 1b.)

2b. Zeitungsartikel (Zeit: 1 Minute)
Auszug aus: Weltweit 42 Kriege in diesem Jahr (“Der Standard” v. 20.12.2004)
http://derstandard.at/?url=/?id=1896365

 

 OHP 2 an

 

3a. Prügelei am Parkplatz (Zeit: 1:30)

 

OHP 2 aus

 

Einige Menschen stehen, sich unterhaltend, in einer Parklücke.

 

OHP 1: Folie mit Parklücke (Foto vom Parkdeck in Essen Werden)

Autogeräusche:
http://www.hoerspielbox.de/Atm/aauto02.mp3

Eine Person läuft, als Auto “verkleidet” durch die Kirche, macht dabei Geräusche und stoppt dann mit “qietschenden” Reifen hinter der Leinwand vor der leeren Parklücke.

(Im Vordergrund des Bildes sehen Sie das “Auto” vor der Leinwand.)

Stirnlampe als Scheinwerfer, Lenkrad, Auto”umhang”

 

Hupgeräusch

“Das Auto” hupt die Gruppe an.

Hupe

 

 

Diese zerrt den Autofahrer aus dem Auto und verprügelt ihn.

 


OHP 1 aus

J. Pachelbel (wie 1b.)

3b. Zeitungsartikel (Zeit: 1 Minute):
Parkplatzsuche nahm ein schmerzhaftes Ende (Vergl. Archiv der WAZ, 6.12.04 unter: http://www.waz.de/)

 

OHP 2 an

 

4a. Blumen im Vorgarten (Zeit: 2:07)

 

OHP 2 aus

Grieg: In der Halle des Bergkönigs

Nachbarin 1 pflanzt hinter der Leinwand in ihrem Vorgarten Blumen.

verschiedene künstliche und natürliche Blumen mit großer, schatten-
werfender Blüte; die Blumen werden in Holzbohlen mit Löchern gesteckt

OHP 1: Folie mit Vorgartenidylle und 2 Häusern, auf der Seite des einen Hause mit gelber Folie unterlegt

 

Nachbarin 2 schaut vor der Leinwand neidisch zu, und pflanzt vor der Leinwand ebenfalls in ihrem Vorgarten Blumen.

 

 

 

Nachbarin 1 pflanzt weitere Blumen und gießt diese.

Gießkanne mit Wasser, das hinter der Bühne in Behälter läuft

OHP 3: mit roter Folie, nur auf den gelb unterlegten Ausschnitt gerichtet

 

Nachbarin 2 sieht, dass die Pflanzen immer farbiger werden, ärgert sich und pflanzt ebenfalls weitere Blumen, die sie auch gießt.

Gießkanne ohne Wasser

 

 

Nachbarin 1 pflanzt weitere Blumen und gießt diese.

 

Spot 1 (einzeln schaltbar) mit Farbe grün, nur auf Blumenbeet

 

Nachbarin 2 sieht das, pflanzt eine weitere Blume und gießt diese ebenfalls.

 

 

 

Nachbarin 1 pflanzt weitere Blumen und gießt diese.

 

Spot 2 (einzeln schaltbar) mit Farbe blau, nur auf Blumenbeet

 

Nachbarin 2 sieht das, rennt hinter die Leinwand und zerstört voller Wut alle Blumen.
Nachbarin 1, versucht, diese wieder einzupflanzen. Es entsteht ein Getümmel. Diese Szene können Sie sich auch als Videoclip (ca. 7 MB) mit Realplayer anschauen, demnächst auch mit Ton. 
Nachbarin 2 verschwindet, und Nachbarin 1 bleibt traurig vor ihrem zerstörten Blumenbeet stehen.

 

Nacheinander werden Spot 1/2 und OHP 3 wieder ausgeschaltet.


OHP 1 aus

J. Pachelbel (wie 1b.)

4b. Zeitungsartikel (Zeit: 1 Minute)
mit folgendem Inhalt:
Die Nobelpreisträgerin Wangari Maathai hat trotz massiver Bedrohungen viele, viele Bäume gepflanzt und damit neue Lebensgrundlagen geschaffen.

 

OHP 2 an